Eine Berufsausbildung vermittelt mehr als praktische Fähigkeiten. Sie beschleunigt auch die persönliche Entwicklung durch neue Herausforderungen und die Übernahme von Verantwortung.
Eine Berufsausbildung beeinflusst die Entwicklung junger Menschen positiv – gerade, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Auf der einen Seite werden sie zwar eng begleitet und behalten die schulischen Strukturen durch den Berufsschulunterricht bei, aber gleichzeitig werden sie Teil des beruflichen Alltags. „Sie müssen sich zügig konstruktiv und unterstützend einbringen“, erklärt Judith Strücker, Expertin für junges Recruiting und Azubimarketing bei der Einstieg GmbH. In jedem Fall wird aber erwartet, dass sie „funktionieren“. Wenn also um 7.30 Uhr der erste Kundentermin ansteht, hat sich auch der Azubi rechtzeitig einzufinden. Er ist Teil des Teams und trägt mit Verantwortung dafür, dass der Job erledigt wird und alle reibungslos arbeiten können. Außerdem bekommen Jugendliche in einer Berufsausbildung im besten Fall unmittelbares Feedback – positives und negatives. „Sie werden gefördert, aber eben auch gefordert“, betont Strücker. „So lernen sie, Verantwortung für sich und das eigene Tun zu übernehmen. Und sie lernen, mögliche Konsequenzen zu tragen.“
Entwicklung sozialer Kompetenzen
Menschen, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, zeichnen sich oft durch eine hohe praktische Problemlösungskompetenz und Belastbarkeit aus. „Sie haben gelernt, mit echten Herausforderungen umzugehen und sich in einem manchmal schwierigen Arbeitsumfeld zu bewähren“, betont Florian Daumüller, Trainer mit Fokus auf Soft Skills für Auszubildende, Trainees und Ausbilder.
Mit seinem Unternehmen Doyoumind berät er Fachkräfte und Unternehmen. „Im Vergleich dazu fehlt Menschen ohne diese Erfahrung häufig die unmittelbare Konfrontation mit beruflicher Verantwortung in jungen Jahren.“ Dadurch entwickeln Auszubildende zumeist ein ausgeprägteres Zeitmanagement und ein besseres Verständnis für Teamarbeit und den Umgang mit unterschiedlichen Charakteren.
„Das soziale Umfeld in der Ausbildung und vor allem dessen Diversität ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung sozialer Kompetenzen.“
Florian Daumüller, Doyoumind
„Das soziale Umfeld in der Ausbildung und vor allem dessen Diversität ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung sozialer Kompetenzen“, erklärt Daumüller. „Der Austausch mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden ermöglicht es, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Konfliktlösung zu erlernen beziehungsweise diese stetig zu verbessern.“ Gerade in heterogenen Teams erleben junge Menschen, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten. Diese Erfahrungen legen die Basis für eine erfolgreiche berufliche und persönliche Entwicklung.
Verantwortung lässt einen wachsen
Herausforderungen wie der Umgang mit Deadlines, mit anspruchsvollen Kunden oder das Lösen von Konflikten im Team tragen erheblich zur persönlichen Reife bei. „Ein Beispiel ist die Verantwortung für ein eigenständiges Projekt“, sagt Florian Daumüller. „Hier lernen Auszubildende, Entscheidungen zu treffen, mit Rückschlägen oder auch mit Änderungen der Anforderungen umzugehen und konstruktiv Feedback zu nutzen.“ Solche Erlebnisse sind prägend und fördern die Entwicklung von Resilienz und Selbstbewusstsein. Die Heranführung an diese Verantwortung kann erst durch interne Lernprojekte, dann aber auch schnell durch Mitarbeit in echten Kundenprojekten dargestellt werden.
„Mir hat mal ein Azubi in der Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik erzählt, dass sein Ausbilder ihm zutraute, alleine für die Überwachung und Erfassung des Wareneingangs verantwortlich zu sein“, berichtet Judith Strücker. Er wurde in der Software freigeschaltet und hat den Vorgang am Ende mit der eigenen Unterschrift abgeschlossen. „Für ihn war es eine Riesenauszeichnung, denn das durfte nicht jeder.“ Wer diese Verantwortung bekam, dem wurde damit auch gesagt: Wir trauen Dir das zu, zeig was Du kannst. Sich solch verantwortungsvolle Aufgaben zu erarbeiten, lässt junge Menschen wachsen.
Brigitte Bonder