Es gibt 328 anerkannte Ausbildungsberufe. Und mehr als 22.000 Studiengänge. Wie sollen Schüler da eine Entscheidung für ihre Zukunft treffen? „Nur keine Angst“, sagt Coachin Ines Dauth. Ihre Tipps auf dem Weg zum Traumberuf.
Die Auswahl ist riesig. Ausbildung oder Studium? Zu Hause bleiben oder weggehen? Viele Fragen stehen im letzten Schuljahr an. „Etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler hat eine Idee von der Zukunft“, sagt Ines Dauth, die als Coachin und Mentorin bei Berufsfragen tätig ist. Wenn sie auf Berufsmessen oder im Coaching unterwegs ist, trifft sie aber auch auf große Unsicherheit und viele Fragen.
Der Druck
Ines Dauth wünscht sich für Schüler mehr Leichtigkeit bei der Zukunftsentscheidung. Es dürfe sich nicht wie eine große Last anfühlen, eine Entscheidung zu treffen. „Junge Menschen sollten sich ausprobieren dürfen und Schnuppertage vereinbaren“, sagt sie. Fragen stellen ist ausdrücklich erlaubt. Und es sei überhaupt nicht nötig, alle Ausbildungsberufe und Studienfächer zu kennen. „Rantasten“, empfiehlt die Mentorin.
Die Eltern
Das Arbeitsumfeld hat sich verändert, sagt die Fachfrau. Junge Menschen, die heute in den Beruf einsteigen, haben die Wahl und die Chance, sich selbst zu verwirklichen. „Früher hieß es: Studiere erst mal BWL“, sagt sie. Eltern seien nur dann gute Ratgeber für ihre Kinder, wenn sie genau hinhören und sich mit ihren Kindern auf die Suche nach dem „Herzenswunsch“ machen würden. Nur wenn Eltern ihre eigenen Bedürfnisse – etwa nach Sicherheit und gutem Verdienst für ihr Kind – hintanstellen könnten, würden sie wirklich helfen.
Das System
„Die Schule muss den Jugendlichen mehr Möglichkeiten geben, sich auszuprobieren“, appelliert Ines Dauth. Darauf sei das Bildungssystem nicht ausgerichtet. Auch von der Arbeitsagentur wünsche sie sich, dass man genauer hinhöre und sich wirklich für die Jugendlichen interessiere. Ihre Idee: Workshops mit Mentoren in den Schulen in denen sich die Jugendlichen auch gegenseitig motivieren. Denn der beste Freund kenne häufig auch die Stärken und Schwächen und bringe womöglich neue Ideen ein.
Die Motivation
Jeder Mensch ist anders: Das ist keine neue Weisheit. Der eine hat vor allem den Wunsch, sich zu entfalten. Der andere mag klare Strukturen. Der eine ist „anschlussmotiviert“ – braucht also die Arbeit im Team und Kommunikation. Der andere will Verantwortung übernehmen. „Viele junge Menschen haben aber eine Motiv-Diskrepanz“, sagt die Mentorin. Häufig würden Erziehungsmuster einwirken und die eigene Einschätzung verfälschen. Junge Menschen müsse die Möglichkeit gegeben werden, zwischen bewusster und unbewusster Motivation zu unterscheiden. Wer bin ich wirklich?
Die Methode
Ines Dauth empfiehlt bei der Suche nach dem Traumjob ein Aktivitätstagebuch: Was mache ich den ganzen Tag? Was gibt mir Energie? Was begeistert mich? Und was zieht Energie? So komme man auch unbewusster Motivation auf die Spur. Im Coaching arbeitet sie auch mit kreativen Methoden: Auf die Fragen „Wie stellst Du Dir das Leben vor?“ und „An welchem Ort möchtest Du gerne lernen und leben?“ malen junge Menschen instinktiv drauflos. Mit leitenden Fragen nähert sie sich anschließend mit den Jugendlichen dem Traumberuf.
Das Netzwerk
Nachfragen, ausprobieren, Entdeckungen vertiefen: Ines Dauth empfiehlt Schülern, das Netzwerk von Familie, Freunden und Bekannten zu nutzen. „Wenn Schüler eine Ahnung von dem bekommen, was sie machen wollen, findet sich bestimmt ein Ansprechpartner im Bekanntenkreis, der ein Praktikum vermitteln kann“, sagt die Beraterin. Auch das Internet kann helfen, wenn sich schon herauskristallisiert hat, in welche Richtung es gehen soll.